Tansania - Here we go!

 
12August
2014

Ab nach Deutschland

Die Busfahrt nach Dar-es-Salaam hat, trotz meiner Schmerzen, ganz gut geklappt. Von dort durfte ich dann mit dem Gepäck-Taxi ins Agape Center fahren, wo ich meinen Hals dick mit Feuersalbe einschmieren konnte. Die letzten Tage im Agape-Center waren für uns alle sehr komisch und nervig, weg aus der Einsatzstelle, dann will man auch endlich nach Hause. Samstagabend ging es also endlich los zum Flughafen und zurück nach Deutschland!!

Und plötzlich ist man wieder da und die schönste, schwierigste und aufregendste Zeit im Leben, ist einfach vorbei …. Aber was bleibt sind die Erinnerungen!

Ich liebe euch Jungs!

12August
2014

Abschied von Zuhause

Der Mittwoch war der Tag der Abschiede. Jeder hat noch einmal Erinnerungsfotos mit mir gemacht und sich von mir verabschiedet. Mama Angela war total begeistert von ihrem Geschenk und kam nachts extra nochmal vorbei, um mich zu sehen.

Mama Angela

Meine drei Jungs haben ebenfalls ihre Geschenke bekommen und sich sehr gefreut. Izack ist die letzten Tage nochmal so aufgeblüht und konnte seine Freude richtig zeigen. Die beiden Giraffen für Charles und Izack, auf denen Fotos von uns sind, wurden sofort fest umarmt und ins Bett gesetzt. Ja die Jungs, kaum vorstellbar sie alleine zu lassen..  Meine Jungs

Am Abend war dann der große Abschied mit den Schwestern, wo auch der Priester und meine Brüder im Essensraum mitfeiern durften. Natürlich gab es mein Lieblingsessen: Chapati und andere Leckereien. Zur Krönung wurde nicht ein, sondern drei überfüllte leckere Kuchen reingebracht, die sie alle für mich gebacken hatten.

Lecker

Mit Mama Mallya hatte ich am Mittag Einkäufe für meine Eltern gemacht, die ich ihnen als Geschenk mitbringen sollte und natürlich habe auch ich noch ein paar Kleinigkeiten von den Schwestern bekommen. Bei ihrer Tanzvorführung waren auch die drei Jungs wieder mit dabei und wir hatten alle riesen Spaß, bis ich irgendwann meine Geschenke gebracht habe. Alle Schwestern haben von mir ein Kopftuch, einen Rosenkranz und einen Brief bekommen, den ich für Jeden persönlich geschrieben hatte.

Rosemary

Mama Mallya fing dann beim Lesen an zu Weinen und da ich das gar nicht gut haben konnte, musste ich auch sofort anfangen und mit uns auch alle anderen Schwestern. So traurig, alle so zu sehen. Selbst Charles, der immer so stark zu sein scheint, konnte die Tränen nicht zurückhalten und nachdem wir uns alle etwas beruhigt hatten, ging es dann zum letzten Mal in mein Bett in Himo.

Mama Mallya Fabiola Father Louis Digna Margret Modesta Scolatisca und Jackline

Leider nicht sehr erfolgreich, denn irgendwie knackte mein Hals in der Nacht und hat mir so starke Schmerzen verursacht, dass ich nicht mehr schlafen konnte und am nächsten Morgen heulend beim Frühstück saß. Die Schwestern waren total ratlos, haben massiert und eingecremt, aber es wurde einfach nicht besser. Nach einigen Schmerztabletten, Gebeten und Lourdes-Wasser auf dem Hals und im Trinkwasser, war es aber langsam auszuhalten und vor allem Zeit für den endgültigen Abschied von meinem Zuhause in Himo. Das Taxi wartete bereits, ein letztes Bild mit meinen Jungs, dann saß ich darin und alle Tränen, die noch nicht geweint waren, kamen schlagartig raus. Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie es sich angefühlt hat, einen letzten Blick auf die Schwestern, die Kinder und mein Zuhause zu werfen…

Letztes Bild mit allen Drei

 

12August
2014

Verabschiedung in der Schule

Dienstag war mein letzter Arbeitstag in der Schule. Dementsprechend haben alle Kinder ihre Abschiedsgeschenke bekommen. Die Nursery Class und die Klassen 1-3 haben Sticker und Luftballons bekommen, während die älteren Schüler meine gebastelten Abschiedsgeschenke bekommen haben. Alle haben einen Brief bekommen und einen Pin für den Pulli, auf dem die Mutter Gottes abgebildet war. Die Vierte hat zusätzlich Sticker bekommen und die fünfte und sechste Klasse haben Kullis gekriegt. Viele haben sich dann das ganze Geschenk an den Pulli gepinnt und sind ganz stolz damit rumgelaufen.

Luftballons :) Abschiedsgeschenke

Am Dienstagnachmittag haben wir meinen Abschied in der Schule gefeiert. Ich hatte die ganze Zeit Mittwoch im Kopf, und als die Lehrer dann sagten, dass bereits an diesem Tag die Verabschiedung stattfindet, liefen auch sofort die Tränen. Am Nachmittag haben sich dann alle Kinder im Innenhof versammelt und die Lehrer sind mit mir eingezogen. Anfangs konnte ich meine Tränen dann auch ganz gut unter Kontrolle halten, aber ein Ausbruch war natürlich abzusehen. Die Kinder haben mit ihren Klassen Tänze vorgemacht und eigene Lieder gesungen, in denen es immer um Abschiede und Wiedersehen geht.

Tanz Die Schüler

Es hat richtig Spaß gemacht sie anzuschauen und es war sehr bewegend, sie so zu sehen. Nachdem die Schülersprecherin Salome einen Brief vorgelesen hat, haben mir die Kinder ein Geschenk überreicht. Die Lehrer haben ebenfalls einige, sehr nette Worte an mich gerichtet, und ihr Geschenk tanzend hergebracht. Abschließend war es dann natürlich soweit, dass auch ich meine letzten Worte an alle Schüler gerichtet habe und die Versammlung damit abgeschlossen habe. Und wenn ich den Tränen nahe bin und dann auch noch reden muss, kommen sie natürlich sofort. Somit war meine Abschlussrede nur sehr kurz und zittrig und als ich dann so geweint habe, fingen plötzlich alle an. Schüler, einige Lehrer und Ich natürlich vorne weg. Mit den Lehrern haben wir noch im Lehrerzimmer zusammen gesessen und ein Soda getrunken, wobei drei Schülerinnen noch ins Zimmer kamen um sich richtig zu verabschieden. Salome war ganz aufgelöst und konnte mich gar nicht mehr anschauen… Abends kam sie deshalb nochmal vorbei und hat nach einem Foto von mir gefragt, welches sie dann mit nach Hause nehmen durfte.

Geschenk der Lehrer Abschiedsrede Lehrerfoto

Der Abschied in der Schule war unglaublich schwer und schlimm für mich, weil mir die ganzen Kinder so ans Herz gewachsen sind und wir viel zusammen erlebt haben. Ich hoffe so sehr, sie im nächsten Jahr alle noch einmal wiederzusehen!!

20Juli
2014

Das letzte Wochenende

Nun liegt das letzte Wochenende hinter mir, und es wurde hervorragend genutzt!

Am Samstag durfte ich ganz alleine mit den drei Jungs nach Moshi fahren. Die Dalla-Fahrt habe ich so richtig genossen, den Wind in meinem Gesicht und die angenehme Wärme. Ich werde es so vermissen ..

In Moshi ging es ein letztes Mal zur Post und dann zum Pizza essen. Für die Jungs war es echt schwierig, da sie mit Messer und Gabel kaum umgehen konnten und mit den Fingern eine große Sauerei hinterlassen haben, aber es war einfach köstlich. Nach dem Essen haben wir im Nakumatt rumgeschaut und uns noch ein Eis gekauft. Auch die Geschäfte beim Busstand wurden von den Jungs noch genau inspiziert, um ja alles zu sehen. Alle Drei haben so gestrahlt und mir immer wieder gesagt, es sei der beste Tag überhaupt gewesen. Und auch für mich war es ein wunderschöner Tag, ein letztes Mal Moshi, ein letztes Mal unterwegs mit den Jungs!

Restaurant Lecker Pizza Nakumatt Standi

Abends haben wir für Jeden noch eine Kette gemacht, die sie nun alle tragen, damit sie mich nicht vergessen und an mich denken ...

Am Sonntag habe ich mit ihnen das letzte Mal ein Soda bei Mama Angela getrunken und mit Mama Njau Freundschaftsbänder geknüpft. Sie ist davon total begeistert und hört gar nicht mehr auf. Außerdem musste ich nun die ersten Abschiedsbilder mit den Schwestern machen, denn die Zeit rennt viel zu schnell...

Rosemary and Mama Njau Nach der sonntagsmesse Meine Jungs :)

Daher melde ich mich das nächste Mal aus Deutschland, um vom Abschied und dem Wiedersehen zu berichten. Vielen Dank für euer Interesse an meinem Freiwilligendienst in Tansania. Es war ein wunderschöne Zeit, die ich niemals vergessen habe!

18Juli
2014

Letzte Schulwoche

Das war sie, meine letzte vollständige Schulwoche in Himo. Nachdem sich die Kinder am Montag selbst beschäftigen mussten, da wir Lehrer eine Konferenz hatten, ging es am Dienstag mit meinem Programm los. Mit der vierten Klasse habe ich zuerst Origami gemacht. Sie durften Herzen und ein Himmel-und-Hölle Spiel falten, welches danach bunt gestaltet wurde. Außerdem habe ich ihnen noch ein paar neue Spiele gezeigt, die wir draußen, bei strahlendem Sonnenschein, im Stuhlkreis, gespielt haben. Obstsalat, ZipZap und Reise nach Jerusalem, haben nicht nur viel Spaß und Freude gebracht, sondern auch dreckige, lachende und heulende Kinder. Aber so ist das nunmal!

Limbo konzentriert Fertig

 Mit der ersten Klasse habe ich ebenfalls ein paar Gruppenspiele gemacht. Leider war das etwas schwieriger, da sie kaum Englisch verstehen und Kiswahili strikt verboten ist. Also konnte ich mit ihnen nur einfache Sachen machen, von denen sie aber trotzdem ganz begeistert waren. Die Mädels durften nun auch endlich an meine Haare und sich daran so richtig auslassen!

Haare

Die fünfte Klasse hat mit mir zwei Tänze gelernt: Macarena und Barbie Girl. Beide Tänze haben wir draußen zu Musik getanzt und sogar mit Video aufgenommen. Dabei war sogar ich vollkommen wild und habe mit ihnen die Hüften geschwungen, bis wir uns alle vor Lachen kaum eingekriegt haben. Am Meisten hat mich gefreut, dass selbst die meisten Jungs richtig gut mitgemacht haben und Izack mehr gelacht hat, als je zuvor. Die letzten Tage blüht er so richtig auf und mit uns vier zuhause klappt es auch ganz gut, auch wenn sie mich beim Uno spielen mal wieder abzocken.

Tanzen Barbie Girl UNO Bros

Während meiner freien Zeit bereite ich nun schon sämtliche Abschiedsgeschenke für die Kinder vor. Alle reden nur noch vom Abschied, und wie sehr sie mich vermissen werden! Es ist unglaublich, die Zeit ging so wahnsinnig schnell vorbei, besonders jetzt am Ende! Ein Traum, der dann einfach gelebt ist…

16Juli
2014

Isaya

Die letzte Woche in Himo ist nun angebrochen, alles wird vorbereitet zum Abschied! Die Tage in der Schule unterrichte ich nicht mehr, meine Stunden werden nur noch zum Spielen, singen, tanzen und Spaß haben genutzt. Seit gestern gibt es bei uns ein neues Mitglied: Isaya. Seine Mutter ist vor zwei Wochen verstorben und sein Vater lebt in Dar-es-Salaam, sodass die beiden Kinder nun ein neues zuhause brauchten. Die kleine Schwester Naomi, konnte bei Bekannten unterkommen, aber Isaya wurde von den Schwestern aufgenommen und ergänzt nun unsere Runde beim UNO spielen. Nun wird es mit den Abschiedsgeschzenken zwar ein bisschen durcheinander, aber da finde ich schon eine Lösung. Letztendlich habe ich also auch in Tansania drei Brüder!

15Juli
2014

Monduli

 Endlich darf ich Charles besuchen!!! Am Freitag ging es mit dem Bus nach Arusha, wo ich mich einige Zeit am Busbahnhof mit sämtlichen anhänglichen Kerlen rumschlagen musste, bis endlich Charles und sein großer Bruder Stanley auftauchten, um mich nach Monduli zu bringen. Monduli ist circa 40 Minuten von Arusha entfernt und liegt in den Bergen, sodass es entsprechend kalt war. Eigentlich wohnt die Familie auch in Arusha, aber da Charles Mutter an der dortigen Secondary School als Krankenschwester arbeitet, wohnt die Familie zurzeit in einem kleinen Haus neben der Schule. Anfangs war ich richtig überrascht, da Charles mir immer erzählt hat, was sie zuhause alles Tolles haben, sodass ich mir ein relativ großes und hochwertiges Haus vorgestellt hatte. Damit lag ich allerdings ziemlich falsch, denn ihr Haus in Monduli ist sehr klein, und eben typisch afrikanisch. Charles teilt sich ein kleines Zimmer mit Stanley, die Mutter schläft im Lagerraum und die Tante und Charles Cousine Angel, schlafen im Gästezimmer, in dem auch ich untergebracht wurde. Außerdem leben noch ein paar Hühner mit im Haus, ein kleiner Kater, der nach Charles Lieblingsspieler Neymar benannt ist und Gulam, der Hund der Familie. Da wir erst am frühen Abend angekommen sind, haben wir die restliche Zeit im Haus verbracht und uns unterhalten. Charles Mutter hat mir ganz stolz den Zeitungsartikel von der Erstkommunion gezeigt, den sie ganz gut aufpasst. Jeden Tag gab es super leckeres Essen, wobei ich echt viel essen musste, da ich Mama Charles auch nicht enttäuschen wollte. Obwohl der Duschraum von außen einsehbar ist und es eiskalt war, habe ich es doch genossen mir heißes Eimer über den Rücken zu schütten und mich danach in einen übergroßen Pulli von Stanley zu hüllen. Die ganze Familie war überaus fürsorglich und Mama Charles hat mich sogar abends zugedeckt, als wäre ich ein kleines Kind. Aber genau deshalb habe ich mich dort auch so richtig wohl gefühlt. Nur mit der Toilette, draußen zwischen dem Mais, konnte ich mich nicht allzu gut arrangieren.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Samstagmorgen, habe ich mir von Angel und Charles die „Stadt“ von Monduli zeigen lassen. Angel war ganz stolz auf ihre Schule und hat mir jeden Winkel gezeigt und Charles hat mir natürlich ganz begeistert den Laden für Videos präsentiert. Viel mehr gibt es aber auch nicht zu sein, außer einem wahnsinnigen Blick über das Massai-Land. Nachmittags bin ich mit Charles und Stanley in den Snake Park gefahren, in dem extreme Diskriminierung für Weiße herrschte. Während ich einen hohen Eintrittspreis zahlen muss, kamen Charles und Stanley für gerade mal 2000 Tsh. in den Park. Zwar hat mich das anfangs etwas aufgeregt, aber als ich Charles Begeisterung gesehen habe, war das schnell vergessen. Immerhin wollte ich ihm einen schönen Tag bereiten und das ist definitiv gelungen. Sämtliche Schlangen Afrikas waren zu sehen, eine überdimensionale Python und die „Black Mamba“ (gefährlichste Schlange Afrikas), sowie Krokodile, Echsen, Schildkröten und verschiedene Vögel. Eine kleine Schlange konnte man sich auch um den Hals legen und natürlich musste auch ich das ausprobieren, da Charles mich liebend gerne zu einem kleinen Feigling erklärt, und das kann ich nicht auf mir sitzen lassen.

Charles Baah

Nach dem Rundgang im Park, sind wir in eine dunkle Halle gegangen, in der die Kultur der Massai nachgestellt war. Draußen gab es dann noch ein richtiges Massai-Dorf zu sehen, und zu Charles größtem Vergnügen, standen Stanley und ich plötzlich in Massai Kleidung vor ihm. Zuletzt durften Charles und Ich noch Kamele reiten, was sich mit meinem Rock zwar äußerst schwierig gestaltete, aber trotzdem ganz lustig war. Da noch Zeit war, mussten wir nochmal eine Runde bei den Schlangen drehen, Soda zusammen trinken und uns die teuersten Touristenläden überhaupt anschauen, bekannt als Tinga-Tinga Shops.

Massai Sranley und ich Charles :) Krüppel Nele

Am Sonntag habe ich den Vormittag mit Charles, Angel und Baraka (kleiner Nachbar) verbracht, bis es dann nach dem Mittagessen und beladen mit Chapati als Reiseproviant, nach Hause ging. Angel brach gleich in Tränen aus, da sie nicht mitkommen durfte, um mich nach Arusha zu bringen, und auch mir viel der Abschied ein bisschen schwer. So eine tolle Familie, und ob ich sie jemals wiedersehe ist ja immer fraglich… Stanley und Charles haben mich dann nach Arusha gebracht und sich dort nochmal verabschiedet, denn Charles kommt erst nächste Woche zurück nach Himo. Mama Mallya hat ihm gesagt, er solle noch eine Woche zuhause bleiben, weil angeblich irgendein Kongress ist. Da bin ich mal gespannt. Am Ende werden mir also nur noch drei Tage mit ihm bleiben, viel zu wenig, aber was bleibt ist die Erinnerung!

Baraka, Angel und Ich Familie Masanja

 

Abends habe ich mit Father Louis und den Schwestern das Finale der Weltmeisterschaft gesehen. Dazu habe ich leckere Süßigkeiten von Oma spendiert, die uns einen richtig gemütlichen Abend beschert haben. Als das Spiel vorbei war, wurde mir herzlichst gratuliert, Deutschland wurde hoch gelobt, die Morgenmesse wurde auf den Abend verschoben und ich denke mir nur, da wird Deutschland endlich mal Weltmeister und ich hocke in Tansania! Meine Schüler haben natürlich mit mir feiern müssen und wurden dementsprechend schön geschmückt!

Nelson Rehema! Catherine

02Juli
2014

Father Louis Geburtstag

Am Montag haben wir alle zusammen Father Louis 95. Geburtstag gefeiert. Er war wohl sehr überrascht und auch wenn er das nicht mehr so zeigen kann, hat er sich sehr gefreut. Die Schwestern haben ihm Lieder gesungen und vorgetanzt und dazu Musik gemacht. Und auch diesmal gab es wieder großes Essen. Das Geburtstagsgeschenk der Schwestern: Die Ziege, die sich in den Kochtöpfen befindet. Mir war der Appetit nach Ziege leider schon morgens vergangen, als ich, wie gewohnt, dass Brot aus dem Kühlschrank holen wollte und mir bereits an der Tür ein unsagbarer Gestank entgegen schlug. Im Vorratsraum dann die Herkunft dieses Geruchs: Abgehackter Ziegenkopf, Blut und Innereien! Daher habe ich meinen Teller abends mit Reis vollgekippt und jedes einzelne Korn gelöffelt, um ja kein Aufsehen zu erregen. Wer nämlich als Erster fertig ist, hat grundsätzlich nicht genug gegessen und bekommt einen fetten Fleischbonus.

Father Louis Tänze

Nach unserer kleinen Feier blieben die drei ältesten Schwestern und Father Louis noch da, um mit mir das Achtelfinal-Spiel von Deutschland anzuschauen. Während Father Louis Storys aus seiner Jugend zum Besten gegeben hat, in denen er sich Fußball mit Freunden anschaut, erklären mir die Schwestern, dass Algerien auf jeden Fall gewinnen muss, dafür würden sie sogar beten. Dann begann das Spiel und nur zur Info, Fußball gucken mit Mama Mallya ist ungefähr so, wie Handball gucken mit Mama. Keine Ahnung, aber den Mund nicht halten können! So wurde jeder Spielzug mit „Wuhiiiii“, „AAAH wake up“ oder „Oh, they are good.“ Kommentiert, bis sie irgendwann müde wurde und jede Minute der Kopf zur Seite fiel. Natürlich wachte sie zwischendurch auf und gab nochmal fix ein Kommentar ab, um so zutun, als hätte sie nichts verpasst. Am Ende haben sie mir alle gratuliert und ich habe mich echt gefreut, dass die Schwestern nachts mit mir das Spiel geschaut haben, obwohl am nächsten Tag um 7 Uhr morgens Messe war!

02Juli
2014

Feier der Schwestern

Am Wochenende hatten wir ein großes Fest hier bei uns, mal wieder. Diesmal haben vier Schwestern die erste Stufe erreicht und die Opus Medaille überreicht bekommen. Alle Schwestern sind singend und tanzend in die Kapelle eingezogen, wo bereits die drei Priester gewartet haben. Ich musste natürlich wieder Fotos machen, wobei leider häufig eine Schwester im Mittelpunkt war, die eigentlich nichts zu sagen hat, aber ziemlich besessen von Bildern ist. Nach der Messe gab es ein gemeinsames Mittagessen in der Schule. Auch diesmal begleiteten wir die vier Schwestern mit Gesang und Tanz. Der Klassenraum war nett geschmückt und es gab ein kleines Festessen. Für mich ist sowas meistens kein Festessen, da ich nicht so darauf abfahre, meinen ganzen Teller mit vier verschiedenen Fleischarten vollzupacken. Nach dem Essen wurden noch ewig Reden gehalten, angestoßen und natürlich wieder Fotos gemacht. Die Schwestern waren alle total begeistert und die Priester waren sich sicher, dass ich zukünftig auch Schwester werde. Aber auch nach 10 Monaten ist das nicht mein zukünftiger Plan! Mama Njau kann ich das allerdings nicht erzählen, sie rechnet ganz fest damit und würde wahrscheinlich einen Herzinfarkt kriegen, wenn ich ihr sagen würde, dass ich eben doch keine Schwester werde…

Opus Kette  Einzug Gruppenfoto

Am Abend bin ich mit Mama Mallya nach Moshi gefahren um unseren Priester abzuholen. Er lebt dort eigentlich in einem Altersheim für Priester, aber da er viel lieber bei uns ist, verbringt er dort nicht viel Zeit. Über die Schweigezeit (die jetzt übrigens vorbei ist) war er aber da und jetzt wollte er dringend zurück, da er am nächsten Tag 95 Jahre alt wurde. Ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, dass er dort weg wollte, denn von dort hat man den unglaublichsten Blick auf den Kilimanjaro. So riesig und gewaltig habe ich den Kili vorher nie gesehen. Sämtliche Konturen waren deutlich zu erkennen und es kam mir beinahe so vor, als könnte ich den Schnee mit den Händen berühren. Ein Anblick, den ich hoffentlich nie vergesse!

27Juni
2014

Allein in Moshi

Da es mir bei den Schwestern zurzeit zu langweilig ist (sie schweigen sich ja nur an), habe ich die letzten zwei Tage in Moshi verbracht. Am Donnerstag ging es gleich los und natürlich musste ich erstmal eine Runde schwimmen. Wiedermal wurde ich herzlich begrüßt und habe auch gleich gesehen, dass ich wohl in den letzten Wochen der einzige Gast bin. So war es auch heute wieder und ich konnte fleißig meine Kilometer schwimmen! Im Buffalo-Hotel habe ich mir dann ein Einzelzimmer gegönnt, welches ein großes Bett und sogar einen Fernseher vorzuweisen hatte. Für die Kimarios und einen Lehrer musste ich dann noch einige Fotos ausdrucken, bis ich mich endlich zum Mittagessen begeben konnte. Auf dem Weg dorthin, kam ich allerdings ganz schön in Zugzwang. Wie üblich, habe ich sämtliche Leute auf der Straße gegrüßt (so gehört sich das hier) und so auch einen älteren, zahnlosen und eher ungepflegten Kanadier, der mich gleich in ein Gespräch über meine Kinder und meinen Ehemann verwickelte. Damit konnte ich ihm zwar leider nicht dienen, aber als er mir lauthals klarmachte, dass ich mit ihm Essen gehen sollte und zwar sofort, habe ich doch mal eben einen Ehemann aus meinem Gedächtnis gezaubert und ein Treffen mit diesem vorgeschoben. So konnte ich den Fängen dieser Person gerade noch entgehen. Also ging es alleine ins Restaurant, in dessen Hinterhof ich schön sitzen konnte, um Briefe zu schreiben und lecker zu Essen. Gestärkt und mit schrecklichen Magenkrämpfen habe ich mich auf den Weg zur Post gemacht. Die Schwestern hatten schon seit mehreren Monaten keine Rechnungen bezahlt und unsere Postbox wurde bereits verschlossen, sodass ich heute ein paar Scheine zahlen musste, bis ich endlich meine Pakete in der Hand hatte. Danach musste ich dringend eine Kitenge kaufen, da es mit dem Schneidern sonst langsam zu knapp wird. Sämtliche Läden unterzogen sich meiner genausten Untersuchung, letztendlich musste ich den ersten Laden aber mehrmals betreten, um mich endlich für eine Kitenge zu entscheiden. Auf dem Weg kam mir der Zweite, überaus anhängliche Kerl, entgegen, der mich ewig vollgelabert hat und eigentlich auch ganz ok zu sein schien. Er hat mir beim Kauf eines Kleides geholfen und sich danach auch irgendwann verabschiedet, aber auch nur, weil ich mal wieder ein Treffen mit Freunden ausgedacht habe. Leider habe ich nicht damit gerechnet, dass der besagte Mann den ganzen Abend vor meinem Hotel sitzt und mich abfängt, sobald ich raustrete. Das Fußballspiel musste ich mir also in seiner Gesellschaft angucken. Die Afrikaner im Restaurant wollten aber alle nur Ghana schauen, sodass ich zur Halbzeit zurück ins Hotel gegangen bin, um dort zu schauen. Als ich im mein Essen bezahlen wollte, sagt er dann einfach, er hätte kein Geld, und stellte seine leere Getränkeflasche vor mich hin. Ich war richtig sauer und habe erstmal nur meine Sachen bezahlt, aber James (so hieß er übrigens), hat mich vollgeredet und auch der Barkeeper wollte sein Geld für das Getränk! Wiederwillig habe ich das Getränk bezahlt und bin losgegangen, gefolgt von …. James, der mir nun ununterbrochen sagte: Nobody is perfect. Er mag ja Recht haben, aber bevor man etwas bestellt, sollte man sich doch überlegen, ob man es bezahlen kann! Ein bisschen musste ich ihn also zur Schnecke machen, damit ich ihn endlich loswurde und konnte dann befreit und allein ins rettende Hotel flüchten. Alleine unterwegs zu sein ist wirklich nicht die beste Lösung!

Im Hotel fing mich dann der Chefkoch ab, der mich zu einem netten Gespräch in seiner Küche einlud. Dort habe ich dann in der Halbzeitpause gelernt, wie man Ugali gekocht. Leider war ich nicht allzu begabt und die Köchin musste den brennenden Waschlappen retten, bzw. mich, die diesen Lappen in der Hand hielt! Den Rest des Spieles habe ich oben in meinem Zimmer geschaut und es sehr genossen. Auch am nächsten Morgen hatte ich wieder ein Meeting mit dem Küchenteam, da ich so eine nette Weiße bin! So habe ich zusätzlich Brötchen und Saft bekommen und wurde am Ende ganz rührend verabschiedet.

Anstatt sofort nach Hause zu fahren, ging es aber nochmal zum Schwimmen. Wiedermal war es super und wiedermal stand ich danach sprachlos und den Tränen nahe vor dem Spiegel, denn der Abdruck meines Badeanzugs ist mittlerweile so ausgeprägt, dass ich in Deutschland niemals mehr im Bikini schwimmen kann. Aber dafür kann ich schwimmen und mich dort so richtig auspowern!

 

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